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KörperakupunkturUm die Wirkungen der Jahrtausende alten Therapie mit Nadeln bzw. dem Erwärmen einzelner Körperpunkte zu verstehen, muss zuerst über „Energie“ (chin. Chi) gesprochen werden. Alle Materie muss bewegt werden. Das, was unseren Körper bewegt und wodurch sich der lebende vom toten Körper unterscheidet, nennen die Chinesen „Chi“. Es entspricht dem Prana der Inder, dem Ki der Japaner und heißt bei uns Lebenskraft oder moderner „Energie“. Unter Energie aus klassisch-chinesischer Sicht verstehen wir hier Kräfte, die sowohl im positiven (Sonne, Luft, Licht, Wärme usw) als im negativen Sinn ( Kälte, lang anhaltender Regen, Föhn usw) auf den Menschen einwirken. Im Menschen selbst sind es die Kräfte, die er im Augenblick der Zeugung empfangen hat (Erbenergie), mit denen er sich gegen krankmachende Einflüsse wehrt (Abwehrenergie), mit denen er sich am Leben erhält (Nahrungs- und Atmungsenergie) und die Kräfte, die emotional den Körper beeinflussen (Freude, Trauer, Angst u.s.w.). Diese Energien bewegen sich nach traditionellen chinesischen Vorstellungen auf bestimmten Bahnen, welche Meridiane* genannt werden. Entlang der Meridiane befinden sich die sog. Akupunktur-punkte*, welche mit einem oder mehreren Organen oder Körpergeweben verbunden sind, die von diesen Punkten aus beeinflusst werden können. Am einfachsten ist dieses System zu verstehen, wenn man sich einen Meridian als Fluss vorstellt, an welchem sich in bestimmten Abständen Wassermühlen befinden. Diese Mühlen sind (wie eine echte Mühle mit einem Mahlstein) mit dem betreffenden Organ verbunden. Fließt das Wasser des Flusses mit der richtigen Geschwindigkeit und in der richtigen Menge, dann arbeitet das Mühlrad effizient und der “Mahlstein”, also das Organ, wird optimal angetrieben, also mit Energie versorgt. Führt der Fluss jedoch Hochwasser, so wird das Rad zu stark angetrieben, und befinden sich womöglich Äste und Unrat in dem Fluss, dann wird das Rad dadurch gebremst. Sperrt etwas den Zufluss völlig ab, dann bleibt das Mühlrad stehen. Auch an dem Mühlrad selbst (= Akupunkturpunkt) können Störungen auftreten.
Mühlrad (= Akupunkturpunkt) Mahlstein (= Organ) Eine Besonderheit der Energie, die sich in den Meridianen bewegt ist, dass sie in zwei Formen auftritt, nämlich als YIN*- und YANG*-Energie. Bei YING und YANG handelt es sich um Polaritäten, welche sich gegenseitig ergänzen. Im menschlichen Körper gehört das Innere des Körpers mit den Speicherorganen* Leber, Herz, Lunge, Milz, Niere dem YIN an, das Äußere des Körpers mit den Hohlorganen* Magen, Dünndarm, Dickdarm, Gallenblase und Blase dem YANG. Jedes Organ hat einen zugehörigen Meridian und dieser wiederum eine bestimmte Pulstaststelle am Handgelenk. Durch die Untersuchung der Pulsqualitäten, (Pulsdiagnose*) kann sich der Arzt ein genaues Bild über die Verteilung der Energie im Körper machen, kann also feststellen, ob der Fluss zu viel Wasser oder zu wenig hat und ob es zu schnell oder zu langsam fließt. Das Ergebnis der Pulstastung bestimmt die Therapie, welche über die Akupunkturpunkte erfolgt, entweder durch Nadelung* oder durch Moxibustion*. Nach den Vorstellungen der traditionellen chinesischen Medizin (TCM*) treten Gesundheits-störungen durch ein Ungleichgewicht von YIN und YANG auf. Durch die Steuerung der Energie über die Akupunkturpunkte kommt es zu einer Harmonisierung der Energie, also zu einem Ausgleich zwischen YIN und YANG und damit zur Gesundheit *. Ich wende in der Praxis die Körperakupunktur am Anfang der Therapie vor allem in den Fällen an, wo ich erhebliche Störungen des Energieflusses in den Merdidianen feststelle, aber das homöopathische Mittel noch nicht klar ist. Mit Hilfe der Körperakupunktur kann ich dadurch dem Patienten schon Erleichterung verschaffen. Nach langer, bitterer Erfahrung wende ich so gut wie nie Akupunktur und Homöopathie gleichzeitig an. Der Schweizer Arzt VÖGELI sagte einmal. „Sie können Akupunktur und Homöopathie zusammen anwenden. Aber sie werden keine der beiden Methoden richtig kennen lernen.“ Nach meinen Erfahrungen geht die Wahrheit weiter als dies. Die Akupunktur kann die Wirkung des homöopathischen Mittels aufheben und die Situation verschlechtern. Das habe ich so oft erlebt, dass ich es heute nicht mehr mache. Dazu ein Beispiel Eine Patientin kam wegen einer Depression
in meine Praxis. Das indizierte homöopathische Mittel, welches
ich ihr gab, hatte als Erstverschlimmerung* starke Kreuzschmerzen. Ich
machte eine Akupunktur gegen diese Schmerzen, die auch verschwanden. Aber
in der Nacht traten Herzbeschwerden auf, die sie noch nie gehabt hatte
und welche sich durch das homöopathische Mittel, welches ich ihr
ursprünglich gegeben hatte, nicht beeinflussen ließen. Ich
suchte also ein anderes Mittel mit der Herzsymptomatik und gab es ihr.
Daraufhin besserte sich zwar das Herz, aber die Depression kam so schlimm
zurück, dass ich sie fast nicht mehr in den Griff bekam. Dieser Fall
war der letzte, bei dem ich beide Methoden gleichzeitig anwandte. Davon ausgenommen gibt es fast keine Methode, die derart
präzise anzuwenden ist, wie die französische Variante der „Ohrakupunktur“. |
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Copyright
Inhalt Dr. med. Margit Hasinger, München |